Eisenbahn im Kiischpelt

Durch den Kiischpelt verlaufen zwei Eisenbahnstrecken der CFL: die Nordstrecke Luxemburg-Lüttich (1858 –1867) und die Nebenstrecke Kautenbach-Wiltz (1880/81). Daher bringt es der Kiischpelt bei nur etwa 1200 Einwohnern auf drei Bahnhöfe bzw. Haltepunkte: Kautenbach, Wilwerwiltz und Merkholtz. Die beiden Strecken schlängeln sich durch die schmalen, tiefen Täler der Wiltz und der Klerf mit ihren zahlreichen Flussschlingen. Deshalb gehören unsere Eisenbahnstrecken mit ihren zahlreichen Brücken und Tunneln zu den reizvollsten Mittelgebirgsbahnen in Europa und sind bei Eisenbahnfreunden und „Trainspottern“ beliebt.

Bahnstrecken

Die Geschichte der Eisenbahn in Luxemburg beginnt im Jahr 1845. Damals gab es die ersten konkreten Pläne für ein Eisenbahnnetz in Luxemburg, zu dem auch eine Nordlinie gehörte. Diese Linie sollte allerdings zunächst nicht durch die Flusstäler, sondern von Diekirch aus über die Höhe nach Weiswampach führen. Eine erste Konzession wurde 1855 vergeben. Zwei Jahre später, 1857, wurde die Chemins de Fer de Guillaume Luxembourg, die Wilhelm-Luxemburg-Eisenbahngesellschaft (kurz WL) gegründet. Bereits 1859 wurden die Bahnlinien von Luxemburg nach Thionville (F) und Arlon (B) eröffnet.

Die Nordstrecke: Luxemburg-Ettelbruck-Troisvierges-Gouvy (B)-Lüttich (B)
+

Der Streckenabschnitt zwischen Ettelbruck und der belgischen Grenze überwindet auf etwa 43 km einen Höhenunterschied von 270 m (davon ca. 60 m im Kiischpelt). Die maximale Steigung beträgt 15 %. Das Minimum bei den Kurvenradien liegt, mit drei Ausnahmen, bei 400 m. Aufgrund der zahlreichen Fluss- und Talschlingen sind 51 Flussbrücken sowie 18 Tunnel mit einer Gesamtlänge von 3.675 m erforderlich. Dabei entfallen allein auf den Kiischpelt 20 Flussbrücken und 6 Tunnel.

Blick auf die Nordstrecke Luxemburg – Lüttich (B)
1857 Gründung der Wilhelm-Luxemburg-Eisenbahngesellschaft
1858-1862 Bau der Strecke Luxemburg-Ettelbruck-Diekirch (zunächst eingleisig)
1862-1867 Bau der Strecke Ettelbruck-Kautenbach-Troisvierges-Gouvy (B) (eingleisig)
1907-1917 Bau des zweiten Gleises zwischen Luxemburg und Troisvierges
1944/45 Während der Ardennenoffensive vom 16. Dezember 1944 bis Februar 1945 starke Zerstörungen an Gleisen, Brücken, Gebäuden und Telegraphenleitungen
März/April 1945 Eingeschränkter eingleisiger Betrieb
1948 Gründung der CFL
bis 1952 Wiederaufbau der Anlagen
1981-1993 Elektrifizierung der Strecke Ettelbruck-Troisvierges mit eingleisigem Rückbau in den Tunnelabschnitten, zusätzlich Modernisierungs- und Rationalisierungsmaßnahmen (elektrische Signalanlagen, Reduzierung der Bahnübergänge usw.)
Dezember 2004 Einstellung des planmäßigen nationalen und internationalen Güterverkehrs
Die Nebenstrecke Kautenbach – Wiltz – Schimpacher Grenze – Bastogne (B)
+

Die Strecke Kautenbach-Wiltz ist ca. 9,5 km lang. Mit einer maximalen Steigung von 15 %. überwindet sie einen Höhenunterschied von ca. 60 m. Da Kurvenradien bis zu einem Minimum von 200 m akzeptiert wurden, waren nur zwei kurze Tunnel in Wiltz (Länge insgesamt 180 m) erforderlich. Allerdings mussten insgesamt 12 Brücken über die Wiltz errichtet werden.

Blick auf die Nebenstrecke Kautenbach – Wiltz
1860 Erste Überlegungen zur Anbindung von Wiltz an die Nordstrecke
1869 Konzessionsvergabe an die neu gegründete Prinz-Heinrich-Eisenbahngesellschaft
1880/81 Bau des Abschnitts Kautenbach-Wiltz
1888 Eröffnung der Strecke Wiltz-Bastogne
1907 bzw. 1916 Bahnanschlüsse für die Steinbrüche bei Merkholtz (aufgelassen in den 50er Jahren)
1944/45 Während der Ardennenoffensive vom 16. Dezember 1944 bis Februar 1945 starke Zerstörungen an Gleisen, Brücken, Gebäuden und Telegraphenleitungen
ab 1948 Vereinfachter Nebenbahnbetrieb
1950 Einstellung des Personenverkehrs auf belgischer Seite zwischen Benonchamps und Bastogne; Güterverkehr bis 1965
1967 Einstellung des gesamten Personen- und Güterverkehrs ab Wiltz
1968-1974 Gleisabbau auf belgischer Seite
1969 Erneuerung des Oberbaus und der Gleise zwischen Kautenbach und Wiltz
1972 Abbau der Gleise zwischen Winseler und der belgischen Grenze
1983 Abbau der Gleise zwischen Wiltz und Winseler
1990 Radweg Wiltz-Bastogne auf der ehemaligen Bahnstrecke
1991 Elektrifizierung
2001/2004 Komplette Sanierung der Strecke (Unterbau und Brücken sowie Aus- und Umbau des Bahnhofs Wiltz unter anderem auf zwei Bahnsteige)
2004 Einstellung des Güterverkehrs
2005 Offizielle Neueröffnung

Bahnhöfe

An den beiden Strecken im Kiischpelt befinden sich drei Bahnhöfe bzw. Haltestellen. Damit dürfte der Kiischpelt (bezogen auf die Einwohnerzahl) die Gemeinde mit der höchsten Bahnhofsdichte in Luxemburg sein. Hier kommen nur knapp über 400 Einwohner auf einen Bahnhof.

Bahnhof Kautenbach an der Nebenstrecke nach Wiltz
+
Bahnhof Kautenbach heute

Der Bahnhof Kautenbach entstand im Rahmen des Baus der Nordstrecke der „Wilhelm-Luxemburg-Bahn“ und umfasste von Anfang an ein Überholgleis und Güterladegleise. Anstelle eines Empfangsgebäudes erhielt er zunächst nur ein Wärterhaus mit angebautem Wartesaal. Mit dem Bau der Strecke nach Wiltz durch die „Prinz-Heinrich-Eisenbahngesellschaft“ 1880/81 wurde der Bahnhof von zwei Bahngesellschaften gleichzeitig genutzt. Die Bahnhofsgebäude gehörten der „Wilhelm-Luxemburg-Bahn“ und durften von der „Prinz-Heinrich-Eisenbahngesellschaft“ gegen Gebühr mitbenutzt werden. Bereits 1888/87 wurde ein neues, größeres Empfangsgebäude errichtet. Mit dem zweigleisigen Ausbau zwischen 1910 und 1917 fiel das spezielle Überholgleis weg. Der Bahnhof erhielt eine Unterführung zum zweiten Bahnsteig. Besonders wichtig war aber die direkte Anbindung der „Prinz-Heinrich-Eisenbahngesellschaft“ in Richtung Luxemburg über eine zweite Weiche. Zum Bahnhof gehörten neben dem Empfangsgebäude, dem Stellwerk und dem Güterschuppen ein kleiner Wasserturm sowie mehrere Wohnhäuser für die Eisenbahner. Während der Ardennenoffensive zwischen dem 16. Dezember 1944 und Februar 1945 blieb der Bahnhof in Kautenbach weitgehend verschont. In den folgenden Jahrzehnten gab es immer wieder Modernisierungsmaßnahmen, wie die schrittweise Umstellung der mechanischen Stellwerke auf elektrische Signalanlagen und die Reduzierung der Bahnübergänge.

Bahnhof Wilwerwiltz an der Nordstrecke Luxemburg – Lüttich (B)
+
Bahnhof Wilwerwiltz

Der Bahnhof in Wilwerwiltz erhielt von Anfang an ein langes Überholgleis sowie Güterladegleise. Auch beim zweigleisigen Ausbau der Strecke zwischen 1910 und 1917 erhielt der Bahnhof ein Überholgleis und umfasste damit bis zum Rückbau im Rahmen der Modernisierung und Elektrifizierung drei durchgehende Gleise. Beim Empfangsgebäude griff man auf den gleichen Typ wie in Clervaux, Dommeldange, Lintgen und Mersch zurück. Es brannte 1874 ab und wurde durch einen Neubau gleichen Typs ersetzt. Hinzu kamen der Güterschuppen und ein Stellwerk. Noch 1979 wurden hier immerhin 5.440 t Güter verladen, das entsprach 232 Wagen. Das Stellwerk wurde als letztes mechanisches Stellwerk mit Formsignalen erst 1991 außer Dienst gestellt und abgerissen.

Haltestelle Merkholtz an der eingleisigen Nebenstrecke nach Wiltz
+
Haltestelle Merkholz

Merkholtz erhielt von Anfang an nur eine einfache Haltestelle, die sich in der Nähe der Merkholtzer Mühle, einige Kilometer von Merkholtz entfernt, befindet. Da man nur ein geringes Güteraufkommen erwartete, lehnte die PH eine Güterverladung ab. Am Anfang stand hier nur das Bahnwärterhaus, von wo aus die Schranken und die Signale betätigt wurden. Erst 1907 erhielt die Haltestelle einen kleinen Wartesaal. Im gleichen Jahr erhielt der Staatssteinbruch, der etwa einen Kilometer in Richtung Wiltz lag, ein eigenes Anschlussgleis. 1916 erhielten auch zwei weitere Steinbrüche in der Nähe einen Bahnanschluss. Diese Gleisanschlüsse wurden Ende der 50er Jahre stillgelegt. Im Rahmen der Sanierung der Strecke Kautenbach-Wiltz im Jahre 1969 wurde der Bahnsteig erneuert. Ab dem 24.05.1998 wurde Merkholtz zunächst teilweise, später vollständig zur Bedarfshaltestelle.

Rollmaterial

Übersicht über einen kleinen Teil aktueller Elektrolokomotiven, Elektrotriebwagen und Personenwagen die in Luxemburg zum Einsatz kommen.

Elektrolokomotiven
+
Elektrotriebwagen
+
Personenwagen
+
  • Doppelstockmittelwagen der CFL 1. / 2. Klasse
    • 116 Sitzplätze
    • Länge 26,8 m
    • Gewicht 50 t
    • Höchstgeschwindigkeit 160 km/h
    • Hersteller Bombardier, 2005
  • Doppelstockmittelwagen der CFL 2. Klasse
    • 133 Sitzplätze
    • Länge 26,8 m
    • Gewicht 50 t
    • Höchstgeschwindigkeit 160 km/h
    • Hersteller Bombardier, 2004
  • Doppelstocksteuerwagen 1. / 2. Klasse
    • 80 Sitzplätze
    • Länge 27,27 m
    • Gewicht 52 t
    • Höchstgeschwindigkeit 160 km/h
    • Hersteller Bombardier, 2005 und 2008